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18. 11. 2016

Baum-Checkliste für El Salvador veröffentlicht

Die in El Salvador heimische Palme Sabal mexicana ist von Mexiko bis Nicaragua verbreitet. (Fotos: Anne Kathrina Gruber)

 1.191 Baumarten wachsen in El Salvador, nahezu 90 Prozent davon sind dort heimisch.Die hohen Zahlen überraschen, denn El Salvador ist vermutlich das am stärksten von Entwaldung betroffene Land des amerikanischen Kontinents. Zu diesem Ergebnis kommt ein Team von BotanikerInnen aus Berlin und El Salvador. Der letzte von drei Bänden der Baumcheckliste El Salvadors wurde gerade veröffentlicht. Es ist das Ergebnis aus über 30 Jahre dauernder Forschung. Ungefähr ein Viertel der Artenvielfalt des mittelamerikanischen Landes wird damit erstmals umfassend dokumentiert.

Das Gesamtwerk listet alle bekannten Baumarten auf, vom wilden Kakao bis zur wilden Avocado, die in dieser Region der Erde heimisch (wie die beiden genannten Beispiele) oder eingebürgert sind. Die spanischsprachige Checkliste trägt den Titel „Nova Silva Cuscatlantica – Árboles nativos e introducidos de El Salvador“ (Heimische und eingeführte Bäume El Salvadors). Der Botanische Garten und das Botanische Museum Berlin der Freien Universität Berlin waren maßgeblich an dem Forschungsprojekt beteiligt und sind Herausgeber der Checkliste. El Salvador ist flächenmäßig vergleichbar mit Hessen. In Deutschland wachsen nur etwa 75 heimische und eingebürgerte Baumarten.

Baum-Checkliste als Standard-Nachschlagewerk

Die 1.108 Seiten starke Publikation umfasst drei Bände. Sie ist von großer Bedeutung für Botaniker, Vegetationskundler, Ökologen und Naturschützer. Die auf Herbarbelegen basierende Checkliste der in El Salvador vorkommenden Baumarten wird allen relevanten Behörden und Nichtregierungsorganisationen im Umweltbereich in El Salvador und seinen mittelamerikanischen Nachbarn als Standard-Nachschlagewerk dienen. Die Checkliste enthält den aktuellen Wissensstand über alle Baumfarne und Bäume El Salvadors. Wer die Checkliste nutzt, erfährt nicht nur den korrekten wissenschaftlichen Namen, sondern auch Synonyme und alltagssprachliche Namen dieser Pflanzen. Detailliert wird anhand von Herbarbelegen und Literaturdaten belegt, wo die jeweilige Art in und außerhalb El Salvadors verbreitet ist. Somit wird auf einen Blick erkennbar, ob die jeweilige Art in El Salvador heimisch ist oder eingeführt wurde und ob es sich um eine weitverbreitete Art oder eine hochspezialisierte mit eng begrenztem Vorkommen handelt. Angaben zur Nutzung der Art und Literaturquellen erleichtern weiterführende Studien. 408 schwarz-weiße Zeichnungen illustrieren – oft erstmals – viele der in El Salvador heimischen Baumarten und zeigen Blätter, Blüten und Früchte.

Die Baum-Checkliste: gedruckt und online

Die Checkliste vereint bislang auf viele verschiedene Publikationen verteilte Informationen und eigene Forschungsergebnisse. Die letzte vergleichbare, jedoch unveröffentlichte und nur 874 Baumarten umfassende Arbeit ist das 1959 erstellte Manuskript der Baumarten El Salvadors von Paul H. Allen. Seitdem hat sich der Wissensstand ständig verändert. Zur Bearbeitung der nun vorliegenden modernen Checkliste durchkämmten die BotanikerInnen über Jahrzehnte alle noch so abgelegenen Gegenden El Salvadors, sammelten tausende Pflanzenbelege, sichteten die komplette historische und aktuelle Literatur sowie unveröffentlichtes Material und werteten 10.849 Herbarbelege aus wissenschaftlichen Sammlungen der ganzen Welt aus. Im Rahmen der Feldarbeiten wurde ein bereits 35.000 Belege umfassendes Spezial-Herbarium in El Salvador aufgebaut, das künftig eine Referenzsammlung für die Flora des Landes ist. Die Druckversion wurde komplett aus einer Datenbank erzeugt, die später auch online zur Verfügung stehen soll. Gegenwärtig arbeitet das Team an der Erstellung von Bestimmungsschlüsseln für die Baumarten. Die vorliegende Checkliste ist eine wichtige Basis für die Erarbeitung einer bislang fehlenden Gesamtflora für El Salvador, die alle Pflanzenarten, Bestimmungsschlüssel und Artbeschreibungen umfassen wird.

El Salvador: Bauminventar von großem Interesse

Die ursprüngliche, natürliche Vegetation El Salvadors bestand zum überwiegenden Teil aus Wäldern. Somit ist die Erforschung und Kenntnis der in El Salvador heimischen und eingeführten Baumarten von größtem Interesse. Ein Bauminventar ist die Voraussetzung für Maßnahmen zur Wiederherstellung, Erhaltung und nachhaltigen Nutzung dieser wichtigen Naturressource. Die vorliegende Checkliste umfasst baumförmige Farne, Nacktsamer (Gymnospermae) und Bedecktsamer (Angiospermae). Das sind beispielsweise Alsophila salvinii, ein von Mexiko bis Peru verbreiteter Baumfarn, oder Abies guatemalensis, eine nur in Höhenlagen von Mexiko bis Honduras vorkommende Tanne. Aber auch Bismarckia nobilis, eine imposante, auf Madagaskar beheimatete und in El Salvador als Schmuckpflanze eingeführte Palme. Die Checkliste umfasst auch alle in El Salvador vorkommenden oder kultivierten tropischen Nutzbäume. Das ist beispielsweise der Cashewbaum (Anacardium occidentale), ein prächtiger, vermutlich aus Costa Rica stammender Baum, der von Mexiko bis Brasilien und Ecuador wegen seiner Früchte und Samen angepflanzt wird.

Checkliste umfasst Bäume und „baumartige"

Ein Baum ist eine spezielle Lebensform von Pflanzen, die einen holzigen Stamm, Äste und Zweige ausbilden. In den Tropen ist diese Definition eines Baumes nicht immer einfach. So können Individuen einer Art an einem Standort baumförmig wachsen, an anderem dagegen strauchig oder sogar als Kletterpflanze (Liane). Die Checkliste umfasst eine gründliche Auswertung der Wachstumsformen „Baum“ und „baumartig“. Sie führt auch einige holzige Pflanzenarten El Salvadors auf, die oft nicht zu den Bäumen gezählt werden, wie Baumfarne, stammbildende Palmen und hochwüchsige Bambusarten. Nur „baumartig“ wächst beispielsweise auch die bekannte Papaya (Carica papaya). Sie wächst mehrjährig, wird bis zu vier Meter  hoch, bildet einen nur teilweise verholzten Stamm ohne Verzweigungen aus und ist damit weder richtig Baum noch großes Kraut. In der Checkliste zählt sie als „baumartig“.

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