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16. 12. 2016

Energie aus Laub und Holz

Die Nutzung von Herbstlaub könnte helfen, Kosten zu sparen. (Foto: imago/Blickwinkel)

Wie lässt sich die Energie aus ungenutzten Holzabfällen und Herbstlaub nutzen? Damit befassen sich zwei Forschungsprojekte. Forscher des Campus Klein-Altendorf der Universität Bonn haben untersucht, wie viel Holz durch Schnitt und Rodung von Bäumen in der Region Meckenheim und Rheinbach anfällt und bisher nicht genutzt wird. Denn dieses Abfallprodukt der Obst- und Baumschulbetriebe, aber auch der Landschaftspflege kann zur Energieerzeugung sinnvoll verwendet werden.

Im Rahmen des Projekts „bio innovation park Rheinland“ betrieben sie eineinhalb Jahre lang Pilotforschungen, befragten beispielsweise Obst- und Baumschulbetriebe in Meckenheim und Rheinbach und analysierten Flächennutzungskarten.

Durch Biomasseanlage Holzabfälle nutzen

Nun sind erste Ergebnisse da: Meckenheim und Rheinbach kommen theoretisch auf insgesamt 2.941 Tonnen trockene Biomasse jährlich. „Leider können wir nicht das komplette Holz zur Energieerzeugung nutzen“, erklärt Felix Winzer, der im Projekt „bio innovation park Rheinland“ seine Doktorarbeit schreibt. „Denn es muss getrocknet und aufbereitet werden.“ Außerdem ist nicht jedes Holz gleich gut für die Energieerzeugung geeignet. Aus dem gesammelten Holz in Meckenheim und Rheinbach könnte eine Biomasseanlage bis zu vier Megawattstunden jährlich erzeugen. Damit wiederum könnten acht Prozent der Haushalte in Meckenheim mit Wärme versorgt werden.

Ziel des Projekts ist es, in Meckenheim und Rheinbach einen klimaneutralen Wissenschafts- und Gewerbepark zu etablieren. Das von der Nationalen Klimaschutzinitiative geförderte, dreijährige Projekt läuft noch bis Ende 2017. Bis dahin sollen Umsetzungsszenarien erarbeitet werden. So sind die Wissenschaftler der Universität Bonn unter anderem mit Organisationen im Gespräch, die die Biomasse zur Energieerzeugung abnehmen würden.

Herbstlaub wird zu Aktivkohle

Eine Forschergruppe der Universität Kassel entwickelt ein Verfahren, um aus Biomasse aus Parks oder von Straßenrändern wertvolle Aktivkohle herzustellen. Die Ergebnisse könnten den deutschen Städten immense Kosten sparen, denn Herbstlaub verursacht den deutschen Stadtkämmerern jedes Jahr hohe Kosten. Gleiches gilt für Grünschnitt, wie er an Straßenrändern oder in Parks anfällt. Schätzungen besagen, dass jedes Jahr in Nordwesteuropa rund 34 Millionen Tonnen Restbiomasse aus Landschafts- und Stadtpflege ungenutzt bleiben.

Die Projektgruppe um den Kasseler Universitäts-Professor Dr. Michael Wachendorf hat sich zum Ziel gesetzt, die Energie dieser Abfälle zu nutzen und aus Gras und Laub Aktivkohle für Kläranlagen herzustellen. Die Wissenschaftler bauen dabei auf Forschungsergebnissen zur Biomassekonversion auf, die an der Universität Kassel bereits in mehreren europäischen Großprojekten gewonnen wurden. Die EU fördert das Verbundprojekt „Re-Direct“ mit elf Partnern aus fünf Ländern für die nächsten drei Jahre mit rund 3,2 Millionen Euro, davon entfallen 1,3 Millionen Euro auf die Uni Kassel.

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