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18. 10. 2016

Tomaten: Impfen gegen gefürchtetes Virus

Tomaten lassen sich jetzt gegen das gefürchtete Pepinomosaikvirus impfen. Foto: wellphoto/Fotolia
Erstellt von Lorenz Wieland / TASPO Online

Profigemüseanbauer können aufatmen: Durch die Notfallzulassung des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) für das Präparat PMV-01 lassen sich Tomaten im Profianbau jetzt gegen das gefürchtete Pepinomosaikvirus impfen.

Das Impfpräparat PMV-01 – das als Wirkstoff das Pepinomosaikvirus, Stamm CH2, Isolat 1906, enthält – darf laut BVL seit 3. Oktober dieses Jahres und bis zum 30. Januar 2017, also für 120 Tage, vorbeugend gegen das Pepinomosaikvirus an Tomate eingesetzt werden. Laut dem belgischen Anbieter DCM hat PMV-01 eine Zulassung zur Anwendung als biologisches Pflanzenschutzmittel in der EU.

Impfstoff schützt Tomatenpflanzen vor aggressivem Virus

Die Impfungsstrategie bei PMV-01 beruht demnach auf einem besonderen, milden und stabilen chilenischen PepMV-Isolat, das die Pflanzen schnell kolonisiert und sie vor Schäden durch einen aggressiven, pathogenen PepMV-Stamm schützt. Der Impfstoff ist DCM zufolge das Ergebnis von zehn Jahren wissenschaftlicher Forschung in Belgien, den Niederlanden, Spanien und anderen Ländern.

„Das BVL macht es möglich. Im Profianbau ist die Bekämpfung des Pepinomosaikvirus in Gewächshaustomaten jetzt realisierbar“, machen die Pflanzenschutz-Experten des LTZ (Landwirtschaftliches Technologiezentrum) Augustenberg die Bedeutung der Notfallzulassung deutlich.

Tomaten „nach der Pflanzung bis vor der Blüte“ gegen Virus impfen

Wie die Einrichtung ergänzt, wurde als möglicher Anwendungszeitraum für den gesamten Vegetationsbereich der Tomaten „nach der Pflanzung bis vor der Blüte“ festgesetzt. Die Spritzanwendung dürfe in der Kultur maximal einmal durchgeführt werden. Die Behandlungen könnten mit den Aufwandmengen 4,0 bis 8,0 Liter je Hektar in 160 bis 300 Liter durchgeführt werden.

Die Wartezeit wurde mit „F“ festgelegt. Damit ist sie durch die Anwendungsbedingungen und/oder die Vegetationszeit abgedeckt, die zwischen der Anwendung und der Nutzung des Erntegutes verbleibt. Eine Festsetzung in Tagen ist nicht erforderlich. Die zugelassene Menge ist den LTZ-Experten zufolge bundesweit auf 400 Liter begrenzt.

Vor der Impfung PepMV-Stamm-Bestimmung an Tomaten durchführen

Wie der Pflanzenschutzdienst Bonn gegenüber der TASPO ausführt, muss bei den Pflanzen vor einer Behandlung eine PepMV-Stamm-Bestimmung durchgeführt werden. Es gibt verschiedene Stämme (EU, Peru, CH1 und 2), die sich in ihrer Aggressivität und Verbreitung unterscheiden.

Es können nur PepMV-freie Pflanzen(teile) durch das Impfen geschützt werden. Daher ist es für den Betrieb erforderlich zu wissen, wie die Virus-Situation in den Beständen aktuell ist. Das PMV-01 wirkt gegen den am häufigsten vorkommenden Stamm CH2.

PepMV weltweit häufigstes Virus bei Tomatenkulturen im Gewächshaus

Das Pepinomosaikvirus (PepMV) ist derzeit das weltweit am häufigsten vorkommende Virus bei der Kultur von Tomaten im Gewächshaus, mit Infektionsraten von 50 bis 90 Prozent in den wichtigsten Tomaten-produzierenden Regionen der Welt, erinnert DCM. PepMV wird auf mechanischem Weg übertragen und ist höchstinfektiös.

Das typische Schadbild einer PepMV-Infektion ist die Verfärbung der Früchte (marmorierte Früchte), wodurch sich der Marktwert der Tomaten beträchtlich verringert. Die Ertragsverluste können erheblich sein, was aber seltener auftritt.

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