Grüne Terminkalender zeigen, dass fast täglich irgendwo in Deutschland Seminare rund um das Thema „Baum“ angeboten werden. Massenveranstaltungen stehen kleinen Workshops in praxisnaher Atmosphäre gegenüber. Aber wo ist der Unterschied im Angebot? Was hilft dem Fortbildungswilligen wirklich weiter?
Vielen Baumpflegern sind die „Godesberger Gehölzseminare“ als Branchentreff der 70er und 80er Jahre noch gut in Erinnerung. Seitdem haben sich viele neue Veranstaltungsformen entwickelt, wobei in der Baumpflegeszene immer mehr ihre zunehmende Kommerzialisierung kritisiert wird. Hohe Seminargebühren werden ebenso beklagt wie auch die einseitige Gestaltung der Referentenlisten (Lagerbildung) oder die wenig abgeklärten Aussagen von den Referenten.
Natürlich ist es begrüßenswert, dass in der bewegten Szene der Baumpflege viele Angebote entstehen und „für jeden Geschmack und Bedarf“ etwas dabei ist. Aber dem kritischen Betrachter wird doch deutlich, dass derzeit ein gewisser Wildwuchs zu beobachten ist, der leider einen merklichen Qualitätsverlust mit sich bringt. Dies ist dann bedenklich, wenn die Fachlichkeit der Referenten sehr zu wünschen lässt oder wenig abgeklärte Aussagen die Praxis verunsichern.
Es stellt sich die Frage, warum analog zur Ausbildung zum Baumpfleger auch in diesem Bereich staatliche Institutionen wenig Einfluss auf diese Entwicklung nehmen. Zwar treten vereinzelt amtliche Referenten mit neutralen und abgeklärten Aussagen auf, umgekehrt werden aber kaum von neutralen Institutionen Fortbildungsveranstaltungen für unterschiedliche Zielgruppen angeboten, wie es zum Beispiel durch den amtlichen Pflanzenschutzdienst in der gärtnerischen und landwirtschaftlichen Pflanzenproduktion üblich ist.
Dabei sollten die allgemeinen Spielregeln für Seminare für jeden Teilnehmer bereits in der Ankündigung transparent und nachvollziehbar sein. Daher ist aus Sicht der ISA zu fordern, dass
· allgemeine Veranstaltungen frei sind von unsicheren Aussagen und ökonomischen Interessen sowohl seitens der Veranstalter als auch der Referenten
· thematisierte Veranstaltungen auch das halten was sie inhaltlich ankündigen
· wissenschaftlich orientierte Tagungen als solche konzipiert sind
· Firmenveranstaltungen klar als solche gekennzeichnet sind
· Wissenschaftler und Hochschullehrer transparent und ehrlich darstellen, welche Verbindungen sie zu welchen privatwirtschaftlichen Firmen hatten bzw. haben und ob sie vom Verkauf von Produkten (direkt oder indirekt) profitieren.
Aus Sicht der ISA benötigt die Baumpflegeszene durchaus einen jährlichen überregionalen und „lagerübergreifenden“, praxisbezogenen Branchentreff, der aber durch ein neutrales und nicht gewinnorientiertes Veranstaltungskonzept geprägt und für alle Interessenten offen sein muss. Dies ist mehr als überfällig, um gerade auch die Animositäten in der Szene endlich abzubauen. Dies muss abgerundet werden durch gut organisierte und thematisch abgesprochene regionale Veranstaltungsformen, die kostengünstig und terminlich optimiert vielen Interessenten eine kontinuierliche Fortbildung ermöglichen. Fortan bleibt es den Teilnehmern überlassen, durch eine klare Positionierung die Entwicklung zu befördern.
Prof. Dr. Hartmut Balder, Präsident ISA-Chapter Germany
Diesen Beitrag kommentieren
Die Beiträge werden von der Redaktion geprüft und innerhalb der nächsten 24 Stunden freigeschaltet.
Wir bitten um Ihr Verständnis.