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15. 2. 2012

Des Baumes Wurzel und Boden

Es gibt eine Sprache des Bodens, aus der wir Handlungsanweisungen heraushören können. Foto: Benk
Es gibt eine Sprache des Bodens, aus der wir Handlungsanweisungen heraushören können. Foto: Benk

Der Boden des Baumes verdient endlich mehr Beachtung.

Endlich: Seit Shigo befasst sich nun eine beachtenswerte Anzahl von Menschen im Sinne einer Pflege, Forschung und Anerkennung mit dem Baum vor allem auch im urbanen Raum. Die letzten Jahre haben einen gewaltigen Wissenszuwachs gebracht und obendrein Gutachter, Baumpfleger und andere Verantwortliche, die in diesem neuen Sinne die Erkenntnisse anzuwenden versuchen. Wie viel „altes Wissen“ wurde auf den Kopf gestellt, das nur langsam aus den Köpfen, Gärten und Parks verschwindet. Selbstverständlich können auch wir nur versuchen, unser Bestes zu tun, ohne zu wissen, ob es sich auch in Zukunft als richtig erweisen wird.

Während der letzten Jahre hat sich die Baumpflege, die Forschung und die Lehre vorwiegend um den oberirdischen Teil des Baumes gekümmert. Diese Zeit war sicher auch nötig, um die doch erheblichen Erfolge zu erlangen. Der Boden, in dem der Baum wurzelt, spielte jedoch für den Einzelbaum in der Forschung und Praxis eine völlig vernachlässigte Rolle.

Sicher, in den Ausbildungen zum Beispiel zum Fachagrarwirt oder Arboristen kommt im besten Fall der Boden als Lehrinhalt vor. Dieser beschränkt sich jedoch größtenteils auf die Grundlagen, weil praktische Forschungsergebnisse und konkrete Handlungsanweisungen nahezu fehlen, wie wir es zum Beispiel mit der Methode der „Qualifizierten Inaugenscheinnahme“ für den Baumkontrolleur an die Hand bekommen haben.

Es ist längst an der Zeit, die Lebensgrundlage des Baumes, den Boden, und den versteckten, aber wesentlichen Teil des Baumes mit in die alltägliche Betrachtung einzubeziehen, und nicht erst dann, wenn aus sonst unerklärlichen Gründen der Boden und die Baumwurzel schuld an irgendeiner Fehlentwicklung sein soll. 

Die Sprache des Bodens

Integrieren wir die Merkmale und Sprache des Bodens doch erst einmal in unsere visuelle Baumkontrolle, bevor wir an unbequemere Methoden, wie eingehende Untersuchungen denken müssen. Sei es eine Verdichtung oder Versiegelung, die den Gasaustausch und Wasserhaushalt behindert, sei es der Charakter der Vegetation, sei es die Körnung, das Gefüge oder die biologische Aktivität.

Es sind hieraus wertvolle Schlüsse zu ziehen, die dem Eigentümer des Baumes leicht vermittelbar sind und direkte Empfehlungen möglich machen. Die Wasserversorgung des Baumes, der Nährstoffhaushalt des Bodens, die Pufferfunktionen und vieles mehr können so zum Wohle des Baumes geschützt und beeinflusst werden.

Folgende Fragen sollten wir uns als Baumpfleger dringend stellen:

  • Was für ein Wesen ist der Boden?
  • Wie erkenne ich Bodenverdichtung?
  • Wie behandle ich die Baumscheibe?
  • Wie vermeide ich selbst als Baumpfleger Boden- und damit Baumschäden?
  • Welche Methoden zur Bodenkontrolle kann ich anwenden?
  • Welche Bedeutung haben Zeigerpflanzen?
  • Welche nachhaltigen Möglichkeiten gibt es zur Verbesserung des Bodens?
  • Wo besteht ein hoher Forschungsbedarf?

Der entscheidende und wichtigste Schritt ist erst einmal der bewusste Respekt vor dem Boden. Das Interesse daran führt zu einem aufmerksamen Blick. Schädigungen zu vermeiden ist das effektivste Mittel zum Baumbodenschutz. Unsere Möglichkeiten sind natürlich begrenzt, aber wesentlich größer als viele annehmen.

Der Boden wächst in 100 Jahren gerade mal einen Zentimeter und ist im Nu weggeschwemmt, zusammengetreten, erstickt und vergiftet. Er ist rar, bedroht, empfindlich und – er vergisst nicht.

(Jörn Benk)

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