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Pilotkonzept zum Erhalt von Streuobstwiesen

Pilotkonzept zum Erhalt von Streuobstwiesen

Um die Streuobstwiesenpflege zu professionalisieren, fand am 8. und 9. November in Erfurt ein bundesweiter Streuobstwiesenkongress statt. Dabei wurde auch das „Handlungskonzept Streuobst Thüringen“ vorgestellt, das als Vorbild für den deutschsprachigen Raum gelten kann.

von Martina Borowski

Ziel des vom Förderverein Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Mitteldeutschland (FAbL e.V.) organisierten und vom Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz (TMUEN) geförderten Kongresses war es, Öffentlichkeit für das Thema Streuobstwiesen zu schaffen und in Fachvorträgen gemeinsam die Herausforderungen und Lösungsansätze für ihren Erhalt herauszuarbeiten.

Staatssekretär Dr. Vogel vom TMUEN eröffnete den Kongress symbolisch bei einer Baumpflanzung auf einer Streuobstwiese in Erfurt und betonte:

Streuobstwiesen sind Hotspots der Artenvielfalt, deshalb sind sie so kostbar. Zudem prägen sie unsere Kulturlandschaften und versorgen uns mit regionalem Obst. Um Streuobstwiesen zu schützen, haben wir das neue Handlungskonzept mit allen relevanten Akteuren erarbeitet. Damit schaffen wir wichtige Standards bei der fachgerechten Pflege der Bäume und Wiesen. Nun gilt es, das Konzept in Thüringen möglichst breit anzuwenden, in andere Bundesländer zu tragen und gemeinsam weiter zu entwickeln.“

Staatssekretär Dr. Vogel vom TMUEN

Zur Eröffnung des Streuobstwiesenkongresses wurde ein Baum auf einer Streuobstwiese gepflanzt. (Foto: Felix Roßbach)

Konzept ist das bislang umfassendste seiner Art in Deutschland

Das Thüringer Handlungskonzept Streuobst, das auch auf Drängen der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft umgesetzt wurde, umfasst viele Maßnahmen zum Erhalt von Streuobstwiesen etwa über festgelegte Qualitätsstandards der Obstbaumpflege. Das Konzept ist das bislang umfassendste seiner Art in Deutschland.

Der sehr gut besuchte Kongress brachte verschiedene Streuobst-Akteure wie politische Entscheidungsträger:innen, Streuobst-Initiativen, Bewirtschafter:innen und Baumwart:innen aus allen Bundesländern zusammen, um auch in anderen Bundesländern ähnliche Konzepte zu etablieren. Der Erhalt von Streuobstwiesen ist jedoch nicht nur von der richtigen politischen Förderung und Rahmensetzung abhängig, auch Nutzungskonzepte der Streuobstwiese sind zentral. Hierzu Dr. Jan Brunner vom Förderverein Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft:

Die Nutzung von Flächen und Naturschutz können Hand in Hand gehen. Vielfältige Streuobstwiesen sind Biotope, auf denen wir gesunde regionale Lebensmittel herstellen. Wir fordern daher von der Politik passende Rahmenbedingungen für den Erhalt. Professionelle Pflege, besonders unter den schwierigen klimatischen Bedingungen, braucht einen stabilen finanziellen Rahmen. Das gilt genauso für die Vermarktung von Streuobstprodukten. Streuobstwiesen sollten gesellschaftlich wieder eine viel größere Wertschätzung erfahren.“

Dr. Jan Brunner, FAbL e.V.

Das Programm aus Exkursion, Fachvorträgen, praktischen Beispielen und Speed-Dating, wurde ergänzt durch einen Markt der Möglichkeiten. Es wurde deutlich, dass es bereits viele Projekte und Ideen gibt, aber oft eine strukturelle Unterstützung für sie fehlt. Somit ist der Kongress lediglich Startschuss eines politischen und gesellschaftlichen Wandels der Sichtweise auf Streuobstwiesen.

Im Rahmen des Kongresss fanden auch praktische Vorführungen statt. (Foto: Felix Roßbach)

Weitere Konzepte für Streuobstwiesen initiieren

Unter den aktuellen wirtschaftlichen Verhältnissen sei es kaum möglich, Streuobstwiesen kostendeckend zu bewirtschaften, so der FAbL e.V.. Das führe zu einer Überalterung der Flächen, Nachpflanzungen fehlten, es mangele an Baumpflege. Auch werden einige der einst blühenden Streuobstwiesen der Bebauung freigegeben. 

Um diese Entwicklung aufzuhalten, hat das TMUEN das „Handlungskonzept Streuobst Thüringen“ veröffentlicht. Ziel des Kongresses war es, dieses Konzept einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen und darauf aufbauend in anderen Bundesländern Konzepte zum Erhalt und der Förderung von Streuobstwiesen zu initiieren. 

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