Webseite für Baumpflege, Baumfreunde und Arboristik
19. 12. 2017

Baumforschung: Stadtklima unter Beobachtung

Beim Projektstart am 15. November (von links): Wolfgang Kleiner, Christian Schuchardt, Thomas Rötzer, Christian Hartmann, Heiko Paeth (Fotos: Robert Emmerich)

Wie stark wird das Stadtklima durch den Baumbestand und die Bebauung tatsächlich beeinflusst? Antworten auf diese Frage soll das neue Projekt „Klimaerlebnis Würzburg“ liefern. Das Forschungsteam möchte insbesondere den „Wärmeinseleffekt“ erforschen. Dieser hängt davon ab, wie die Baustruktur der Stadt aussieht, wie hoch der Anteil versiegelter Flächen ist und wie viele Bäume oder Grünflächen es in den Straßen gibt.


„Der Wärmeinseleffekt ist zwar theoretisch gut zu erklären, aber wissenschaftlich fundierte Messungen dazu gibt es bislang nicht“, sagt Geographie-Professor und Klimaforscher Heiko Paeth von der Universität Würzburg. Das soll sich ändern – durch das neue Forschungsprojekt „Klimaerlebnis Würzburg“, an dem der Professor und sein Doktorand Christian Hartmann beteiligt sind. 

 

Messungen an sieben Standorten in Würzburg

 

Sie installieren an sieben Stellen in Würzburg neue Wetterstationen – von der Innenstadt bis an den Stadtrand, von stark bebauten, baumfreien Standorten bis hin zu Gebieten mit viel Grün und wenigen Gebäuden. „Wir messen Temperatur, Wind, Luftfeuchtigkeit, Niederschlag, Globalstrahlung und andere Werte“, erklärt Hartmann. Alle zehn Minuten werden die Werte gespeichert und via Funknetz auf einen Server der Universität geschickt. Die Messungen laufen mindestens drei Jahre lang. An den Messstandorten sind auch Forscher von der Technischen Universität München (TUM) aktiv. Ein Team um Projektleiter PD Dr. Thomas Rötzer (Lehrstuhl für Waldwachstumskunde) versieht dort einzelne Bäume mit diversen Sensoren – Temperaturfühler, Dendrometer und mehr. Die sollen unter anderem Aufschluss darüber geben, wie das jeweilige Standortklima das Wachstum und die Verdunstungsleistung der Bäume beeinflusst.

 

Die Messwerte sind öffentlich

Ihre Daten wollen die Wissenschaftler nicht für sich behalten, sondern mit der Öffentlichkeit teilen. Dazu werden die Messwerte grafisch aufbereitet und in Echtzeit im Internet zur Verfügung gestellt. Die Webseite soll spätestens zum Start der Landesgartenschau im April 2018 fertig sein. Damit möglichst viele Interessierte von dem Projekt erfahren, stehen an allen Messpunkten Info-Stationen mit QR-Codes bereit. 

 

„Der Klimawandel wird kommen. Wie kann sich die Stadt anpassen, um lebenswert zu bleiben?“ Diese Frage bewegte die Stadt Würzburg zur Teilnahme am Projekt. Das machte Umweltreferent Wolfgang Kleiner beim offiziellen Projektauftakt am 15. November deutlich. Oberbürgermeister Christian Schuchardt startete das Projekt symbolisch mit einem Klick an dem Rechner.

 

Projektbeteiligte

Durchgeführt wird das Projekt vom Lehrstuhl für Waldwachstumskunde (Koordination) der TUM, vom Lehrstuhl für Strategie und Management der Landschaftsentwicklung (TUM), der Professur für Klimatologie am Institut für Geographie und Geologie der Universität Würzburg und vom Fachbereich Umwelt- und Klimaschutz der Stadt Würzburg. Hauptförderer ist das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, von dem rund 600.000Euro kommen. (bmz)

 

 

Diesen Beitrag
  • weiterleiten
  • drucken

Write new comment

Comments (0)

No comments found!

Partner:

 Website: plehn media
© 2018 Haymarket Media GmbH - Alle Rechte vorbehalten -