Biologische Vielfalt im Boden

Einen neuen Blick auf Bodenlebewesen fordert der Bund Deutscher Forstleute (BDF) anlässlich des heutigen Internationalen „Tag der Biologischen Vielfalt"

Die Untersuchung zeigte, dass die für jeden intakten Boden so wichtigen Regenwürmer im Mischwald doppelt so häufig vorkamen, wie im reinen Nadelwald und im Laubwald.

Der Boden unter unseren Füßen ist belebt. Das trifft für die Waldfachleute im BDF besonders auf den Waldboden zu. „Wir betrachten den Waldboden oft eindimensional, als Wasserspeicher, als Nährstofflieferanten oder mit Blick auf die Bodenzusammensetzung“, so Bundesvorsitzender Ulrich Dohle. „Dabei leben in gesunden, humusreichen Waldböden unzählige Pilze, Bakterien, Einzeller und Tiere. Sie halten den Stoffkreislauf des Bodes in Gang, lockern den Boden und schaffen Hohlräume für die Zirkulation von Luft und Wasser.“

Biologische Vielfalt im Boden untersucht

Erstmals hat nun die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) im Rahmen eines Sonderprogrammes zur Stärkung der biologischen Vielfalt die Bodenlebewesen im Wald erfasst. Repräsentativ wurden Hornmilben, Springschwänze, Laufkäfer und Regenwürmer in über einhundert Wäldern untersucht. „Die für jeden intakten Boden so wichtigen Regenwürmer kamen im Mischwald doppelt so häufig vor, wie im reinen Nadelwald und im Laubwald sogar dreimal so viel - das zeigt wo die Entwicklung zu gesunden Wäldern hingehen muss“, ist sich Ulrich Dohle sicher. „Den höchsten Artenreichtum aller untersuchten Bodentiere wiesen dabei die untersuchten Mischwälder auf.“

Waldbdenmonitoring ausweiten

Der BDF hält es für erforderlich, das Waldbodenmonitoring zu verstetigen und auf alle Bundesländer auszuweiten. Der Verband fordert daher mehr Anstrengungen, die Bodenlebewesen als Indikator für den Waldzustand regelmäßig unter die Lupe zu nehmen: „Vierzig Prozent der landlebenden Organismen auf unserem Planeten leben mehr oder weniger unter der Erde, wir wissen aber viel zu wenig über die Welt unter unseren Füßen.“ 

Der unterirdische Wald

Im unterirdischen Wald, dem Boden, gibt es eine ungeheure Zahl und Menge an Arten. Sie stehen in vielfältigen Wechselwirkungen – oft über die Wurzeln – mit den Waldbäumen und bestimmen deren Vitalität mit. Die früher vorherrschende rein physikalische Betrachtung des Waldbodens ist zu erweitern auf den Lebensraum Boden, dessen regelmäßige Beobachtung (Monitoring) auch Rückschlüsse auf die Waldbewirtschaftung und Einflüsse des Klimawandels zulassen. So stellten die Freiburger Forscher der FVA fest, dass nach Bodenschutzkalkungen sich die Menge an Regenwürmern im Vergleich zu ungekalkten Wäldern verdreifachte. Die Ergebnisse des Waldbodenmonitorings der FVA in Freiburg sind im Waldzustandsbericht 2021 für Baden-Württemberg veröffentlicht.

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