Bodenfeuchteampel zeigt, wie trocken Sachsens Wälder sind

Die sächsischen Wälder sind zu trocken. Wie dramatisch die Situation ist, zeigt auch die von Dr. Rico Kronenberg von der Professur für Meteorologie an der TU Dresden entwickelte Bodenfeuchteampel.

Mithilfe dieses online verfügbaren Tools können auch Laien schnell nachvollziehen, wie es um die Bodenfeuchte in den Wäldern Sachsens steht. Die eigentliche Zielgruppe sind jedoch die Revierförster sowie Mitarbeiter:innen des Sachsenforstes.

Interaktive Karte Sachsens ist entstanden

Der Sachsenforst war es auch, der ursprünglich auf Rico Kronenberg und die Professur für Meteorologie der TU Dresden zukam, mit der Bitte, einen Weg zu finden, die Bodenfeuchte in den sächsischen Wäldern genauer erfassen zu können, ohne ständig vor Ort sein zu müssen. Die bisher verfügbaren Instrumente, wie der Dürremonitor des UFZ oder der Bodenfeuchteviewer des Deutschen Wetterdienstes (DWD), sind für die Revierförster nicht ausreichend detailliert. Aus der Zusammenarbeit mit Kompetenzzentrum für Wald und Forstwirtschaft im Staatsbetrieb Sachsenforst und mithilfe der PikoBytes GmbH ist eine interaktive Karte Sachsens entstanden, auf der sich hunderte Punkte befinden, die nach einem einfachen Ampelprinzip die Bodenfeuchte am jeweiligen Ort angeben – und auf der zurzeit die Farbe Rot dominiert.

Verfügbarkeit des Bodenwassers wird berechnet

Jeder einzelne Punkt der Karte steht für einen bestimmten Standpunkt in einem sächsischen Wald, der vom Sachsenforst ausgewählt und parametrisiert wurde. Ob ein Standort rot, also sehr trocken, orange, grün – normal, oder etwa blau, d.h. sehr nass, angezeigt wird, entscheidet keine Messung, sondern eine Simulationsrechnung. Rico Kronenberg erläutert: „Im Hintergrund läuft hier ein Wasserhaushaltsmodell, das angetrieben wird von Beobachtungsdaten des Sachsenforstes und des Deutschen Wetterdienstes, die täglich abgerufen werden. Die Daten werden gesammelt und so kann durch den Wasserhaushalt die Verfügbarkeit des Bodenwassers berechnet werden.“

Diese Beobachtungsdaten sind meteorologische Daten wie Niederschlag, Temperatur, Windgeschwindigkeit, Globalstrahlung und relative Luftfeuchte. Sie erlauben akkurate Berechnungen, auch eine Präzisierung ermöglichen: Die Ampel berücksichtigt Vegetation und Bodentiefe und unterscheidet beispielsweise zwischen Fichten, Buchen und Gras. Außerdem zeigt sie die Verteilung der Bodenfeuchte über die Tiefe und ihre Entwicklung über die letzten Jahre. Die Daten der Ampel helfen dann den Revierförstern und Mitarbeiter:innen des Sachsenforstes, wichtige Entscheidungen zu treffen. Sie lassen Rückschlüsse über die Gesundheit der Pflanzen oder die Befahrbarkeit des Waldbodens zu, unterstützen bei Anbauplanung und Risikobewertung.

Bodenfeuchte als Indikator für Sturzfluten

Gleichzeitig könnten sie genutzt werden, um extreme Ereignisse wie Sturzfluten zu prognostizieren. „Bodenfeuchte ist ein sehr guter Indikator für Sturzfluten. Wenn der Boden sehr feucht ist und es kommt ein Starkregen mit 20 mm pro Stunde und mehr, dann läuft das Wasser oberflächlich ab und dann sind das ideale Bedingungen für eine Sturzflut, also wild abfließendes Wasser innerhalb weniger Stunden.“

Ähnliches gilt aber auch bei Trockenheit: „Ich hoffe auf mehr Regen“, sagt Rico Kronenberg, „aber zu viel Wasser in zu kurzer Zeit ist auch nicht gut. Wenn der Regen Schauerartig kommt, hilft das der Natur nicht, weil das Wasser nicht versickert, sondern abläuft.“ Ein Wetter wie in den letzten Wochen, geprägt von Hitze und Trockenheit, unterbrochen nur von Gewitterschauern, führt also nicht zu mehr „Grün“ auf der digitalen Karte.

Erweiterung auf andere Flächen ist geplant

Auch wenn die Bodenfeuchteampel selbst nur den Ist-Zustand der Waldböden anzeigen kann, so hofft Rico Kronenberg, dass sie zukünftig helfen kann im Umgang mit dem Klimawandel und seinen Folgen. So ist geplant, den aktuellen Prototyp der Bodenfeuchteampel bis Ende 2022 in ein operationelles Tool zu überführen und sie anschließend in ReKIS zu integrieren. Auch eine Erweiterung auf andere Flächen als den Wald ist in Planung. So könnte sie auch in andere Projekten genutzt werden, zum Beispiel in KlimaKonform, einem Projekt zum klimakonformen Handeln auf Gemeinde- und Landkreisebene in Mittelgebirgsregionen, an dem die Professur für Meteorologie der TU Dresden ebenfalls beteiligt ist. (idw)

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