Der Pflaumenblattsauger geht im Winter auf Diät

Wissenschaftler des Julius Kühn-Instituts (JKI) erforschen die Emigration von Insekten, um diese künftig gezielter zu bekämpfen. Ergebnisse des Projekts PRUNI-Repel auf Deutscher Pflanzenschutztagung vorgestellt und in Fachzeitschrift publiziert.
 

Ein Pflaumenblattsauger-Weibchen saugt an einer Fichtennadel. (Foto: Julius Kühn-Institut)

Obwohl der Tisch des Pflaumenblattsaugers in den Obstanlagen im Sommer gut gedeckt ist, wandern die Schadinsekten im Juni/Juli in höhere Lagen aus und stellen ihre Ernährung drastisch um. Sie wechseln von Pflaumenbaumsaft auf Nadelbaumdiät. Dieser krasse Wirtsbaum- und Diätwechsel sichert der Art das Überleben bis zum Frühjahr, wenn die Tiere zur Paarung schreiten. Um der neuen Generation einen guten Start zu verschaffen, paaren sich die Eltern unterm Pflaumenbaum, denn die Larven benötigen für ihre Entwicklung unbedingt wieder eine „Pflaumen-Kur“. Das haben Wissenschaftler des Julius Kühn-Instituts (JKI) mittels Saugversuchen herausgefunden. Ihre Erkenntnisse, die für den Pflanzenschutz in Obstanlagen relevant sind, haben Jannicke Gallinger und Dr. Jürgen Gross kürzlich auf der 61. Deutschen Pflanzenschutztagung in Hohenheim vorgestellt und im Journal Frontiers in Plant Science publiziert.

Der Pflaumenblattsauger überträgt ein Bakerium

Der Pflaumenblattsauger Cacopsylla pruni überträgt ein gefährliches zellwandloses Bakterium, CandidatusPhytoplasma prunorum genannt. Das Bakterium löst die Europäische Steinobstvergilbung (European Stone Fruit Yellows, ESFY) aus. Die Krankheit führt dazu, dass die Früchte vorzeitig notreifen und ist für massive Ernteausfälle verantwortlich. Infizierte Bäume sterben innerhalb weniger Jahre ab. Das alles sind gute Gründe den Pflaumenblattsauger zu bekämpfen. Die Wissenschaftler des JKI studieren deshalb seinen Lebenszyklus sehr genau. Sie suchen nach Ansatzpunkten, wie das Insekt gezielt daran gehindert werden kann, an den Pflaumenbäumen zu saugen und sich weiter zu vermehren. Denn wenn sich das Vektorinsekt vermehrt, wird leider auch das Bakterium weiterverbreitet. „Jetzt, da wir sicher wissen, dass die Tiere sich von Nadelbäumen ernähren, wollen wir nun die einzelnen Komponenten der Baumsäfte genauer studieren“, erklärt JKI-Nachwuchsforscherin Jannicke Gallinger. Eine Idee ist es, einen Saftmix zu entwickeln, der den Insekten besonders gut schmeckt, um diesen dann in Fallensystemen einzusetzen, die nach dem „Attract-und-Kill-Prinzip“ funktionieren. (Julius Kühn-Institut)

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