Der Wald als Gesundheitsressource

Wie tragen Wälder zu unserem Wohlbefinden bei? Dieser Frage geht ein Team um den Würzburger Geografen Joachim Rathmann nach. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das Projekt.

Welchen Effekt hat Wald auf die Gesundheit von Menschen? Das untersucht ein Team um den Würzburger Geografen Joachim Rathmann. (Foto: Pixabay)

Mit den gesundheitlichen Aspekten von Naturlandschaften befasst sich Joachim Rathmann, der seit Mai 2022 an der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) über drei Jahre gefördertes Projekt leitet zu dem Thema: Gesundheitsrelevante Effekte verschiedener urbaner Waldstrukturen.

Feldversuche im Augsburger Stadtwald

Konkreter Gegenstand der Untersuchungen ist der Augsburger Stadtwald. Bayerns größter zusammenhängender Auwald liegt direkt vor den Toren der mit knapp 300.000 Einwohnern drittgrößten Stadt des Freistaats. Neben seinem Status als Natur- und Wasserschutzgebiet ist der Stadtwald für die Augsburger auch ein beliebtes Naherholungsziel. Rathmann und sein Team interessieren sich dafür, welche Auswirkungen ein Spaziergang im Wald auf den Menschen hat.

Um diese Einflüsse objektiv zu erfassen, schickt er Gruppen von Studierenden los. Eine Hälfte verbringt eine gewisse Zeit in der Stadt, eine begibt sich ebenso lange in den Wald. „Dabei messen wir die Ausschüttung des Stresshormons Kortisol, den Blutdruck, die Herzrate und die Hautleitfähigkeit. Anschließend vergleichen wir, ob und wie sich die Effekte von Stadt und Wald unterscheiden.“ Neben den objektiven Messergebnissen wird durch Fragebögen auch das subjektive Empfinden der Probandinnen und Probanden untersucht.

Wald ist nicht gleich Wald

Was die Arbeit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erschwert: Auch unerwartete Einflüsse können sich auf die Messwerte auswirken. So erhöht möglicherweise ein frei umherlaufender Hund das Stresslevel, während beim Stadtbummel der Kontakt zu sympathischen Menschen zur Entspannung beiträgt.

Neben dem Kontrast zwischen Stadt und Wald will das Forschungsteam auch untersuchen, ob verschiedene Waldstrukturen sich unterschiedlich auf das Empfinden der Besucherinnen und Besucher auswirken. „Durch den Klimawandel wissen wir nicht, wie der Wald der Zukunft aussehen wird“, erklärt Rathmann. „Welche Waldstrukturen sind überhaupt überlebensfähig? Wirken Misch-, Laub- oder Nadelwälder unterschiedlich? Das sind Fragen, denen wir nachgehen möchten.“ Ob dabei allgemeine Abweichungen auftreten oder ob auch persönliche Vorlieben die individuellen Ergebnisse beeinflussen, gelte es zu beobachten.

Warum Würzburg?

In Würzburg ist Rathmann, der von der Universität Augsburg kommt, am Lehrstuhl für Geographie und Regionalforschung angesiedelt. Neben ihm sind eine Augsburger Kollegin und ein Kollege Teil des Projekts: „Privatdozent Christoph Beck konzentriert sich auf das Mikroklima im Wald. Professorin Elisabeth André interessiert sich für die Messmethoden, künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen und dafür, wie man letztlich die Wahrnehmung von Waldstrukturen automatisieren kann.“

Rathmanns Verbindung zur JMU rührt zum einen aus dem Studium, das er teilweise in Würzburg absolvierte, zum anderen aus einem vergangenen Projekt: „Dabei ging es um Ökosystemleistungen von Wäldern. In dieser Zeit hatte ich auch den Antrag für das aktuelle Projekt gestellt und wolltet dieses gerne hier am Lehrstuhl realisieren.“

Der Wissenschaftler interessiert sich übrigens nicht nur dafür, welchen Einfluss der Wald auf den Menschen ausübt. „Es geht auch darum, wie wir mit der Natur umgehen. Wenn wir lernen, Natur als Gesundheitsressource wahrzunehmen, steigert das vielleicht unser Verantwortungsgefühl, gerade lokale Umwelten zu schützen“, sagt er. (idw)

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