Eichenprozessionsspinner wieder bundesweit unterwegs

Seit den 1990er Jahren breitet sich der Falter in Deutschland aus und ist jetzt wieder bundesweit anzutreffen. Die Raupen des Eichenprozessionsspinners haben gefährliche Haare, die starke Hautausschläge und Allergien auslösen können.

Aktuell häufen sich die Meldungen über Massenvorkommen von Eichenprozessionsspinnern aus vielen Regionen in Deutschland. (Foto: Pixabay)

Wo kommt er vor?
Die Eichenprozessionsspinner befallen mit Vorliebe ältere Eichen. Da sie es sonnig lieben, sind oft einzeln stehende Eichen oder Eichen an Bestandsrändern, Wegen, Alleen und im Siedlungsbereich betroffen. Einmaliger Kahlfraß kann in der Regel durch den Johannistrieb gegen Ende Juni kompensiert werden. Bei einer Häufung von Fraßjahren wird die Vitalität der Eichen stark beeinträchtigt, vor allem wenn weitere blattfressende Insekten oder Schädlinge vorhanden sind. Betroffen sind inzwischen alle Bundesländer. Die Eichenprozessionsspinner sind nachtaktive Schmetterlinge. Die Weibchen legen ihren Eivorrat – bis zu 300 Stück – innerhalb weniger Tage an ein- bis dreijährige Zweige gerne an der Südseite der Bäume im obersten Kronenbereich. Die Raupen leben in Familienverbänden und sammeln sich Mitte Juni in zusammengesponnenen Blättern und Zweigen in Baumkronen, an Astgabeln und gerne am Stamm. Von dort begeben sie sich zur Nahrungssuche und bilden eine „Prozession“ von oft mehr als zehn Metern.

Gesundheitsgefährdung von Mensch und Tier
Ab dem 3. Larvenstadium entwickeln sie die mit Widerhaken versehenen Brennhaare mit dem Nesselgift Thaumetopein, das für Mensch und Tier gefährlich ist. Mit jeder Häutung nehmen die Brennhaare zu.
Die direkte Berührung der Raupenhärchen oder ein Kontakt mit aufgewirbelten Raupenhärchen (mit dem Wind können sie bis zu 300 Meter transportiert werden) können starke gesundheitliche Schäden bei Mensch und Tier verursachen. Einem Juckreiz folgen meist Hautentzündungen. Sie reichen von lokalen Hautausschlägen bis zu Quaddeln am ganzen Körper, Bronchitis, Asthma, Schwindel, Fieber und allergischen Schock. Häufig kommt es zur Reizung der Schleimhäute der Augen und Atemwege. Die akute Gefahr ist während der Raupenfraßzeit des Schädlings am größten. Alte Gespinstnester des Eichenprozessionsspinners, ob am Baum haftend oder am Boden liegend, stellen eine anhaltende Gefahrenquelle dar. Da die Raupenhaare eine lange Haltbarkeit besitzen, reichern sie sich über mehrere Jahre in der Umgebung, besonders im Unterholz und im Bodenbewuchs, an.

Vorsichtsmaßnahme
Entdeckt man ein Gespinstnest, sollte man sich von dem Baum entfernen und auf keinen Fall berühren. Nach einem Aufenthalt in Befallsgebieten wird empfohlen zu duschen sowie die Kleidung zu wechseln und zu waschen. Treten trotz aller Vorsichtsmaßnahmen allergische Reaktionen auf, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Symptome können mit kortisonhaltigen Salben oder Antihistaminika abgemildert werden. Bitte melden Sie Ihre Beobachtung in den Wäldern dem zuständigen Forstamt oder bei Befall außerhalb des Waldes der Kommune!

Bekämpfung
Aufgrund der Gefährlichkeit für Mensch, Hunde und andere Tiere wurde und wird in vielen Gebieten mit Bioziden, in Sprüheinsätzen – teilweise mit Unterstützung von Hubschraubernvorgegangen. Bei dem Biozid handelt es sich um „Dipel ES“ oder „Foray ES“. Es enthält den Bacillus thuringensis, der die Darmwand des Eichenprozessionsspinners schädigt und zum Absterben der Schädlinge führt.

Aktuell häufen sich die Meldungen über Massenvorkommen von Eichenprozessionsspinnern aus vielen
Regionen in Deutschland.

Bayern:
im bayrischen Landkreis Dillingen, in Günzburg (Jettingen – Scheppach), in Aichach-Friedberg, in der Gemeinde
Westerstetten und in Augsburg.
Niedersachsen:
vor allem in Brome im Landkreis Gifthorn, in den Gemeinden Wietmarschen und Gartow und im Landkreis
Lüneburg wurde ein flächendeckendes Aufkommen der Tiere gemeldet.
Hessen:
in Frankfurt, Hanau, Gießen, Darmstadt, Wiesbaden und Fulda mit Gegenmaßnahmen
Brandenburg:
im Landkreis Prignitz mit Gegenmaßnahmen
Baden-Württemberg:
Ostalbkreis ist größtes Problemgebiet in Ba-Wü, in Bretten bei Karlsruhe musste eine Schule geschlossen und
gereinigt werden.
Hamburg:
Im Südosten von Hamburg sperrte die Verkehrsbehörde einen Autobahnabschnitt, damit die
Schädlingsbekämpfer gegen die Raupen vorgehen konnten. Das betraf die A1 und Zubringer auf die A25 und
von der A255.
Nordrhein-Westfalen
Hier wurde auch in vielen Regionen zum Teil vorsorglich gegen die Tiere vorgegangen. Das betrifft Städte im
Ruhrgebiet oder Gebiete zwischen Bottrop und dem Münsterland und sogar viele Bäume entlang der A31, die
dafür teilweise gesperrt werden musste. In Iserlohn wurde die Dortmunder Straße gesperrt, um mit
Gasbrennern und Wasserschläuchen die Raupen aus der Böschung zu entfernen. Da nicht alle Nester entfernt
werden konnten, soll der Einsatz wiederholt werden.

Die Kosten für die Schädlingsbekämpfung tragen in der Regel die Waldbesitzer oder der jeweilige Landkreis
und die Kommunen. Sie belaufen sich, je nach Umfang der Bekämpfungsmaßnahmen, bisher auf 40.000,- € in
Wiesbaden bzw. sogar 250.000,-€ im Landkreis Gifthorn.

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