Webseite für Baumpflege, Baumfreunde und Arboristik
02. 02. 2018

Gesundheitscheck für Stadtbäume

Links: 3D-Darstellung der LiDAR-Ergebnisse (verschiedene Farben stehen für verschiedene Höhen über dem Boden), rechts: Ein Algorithmus erkennt einzelne Bäume, basierend auf LiDAR-Daten. (Daten: Aerodata International Surveys)

Wissenschaftler der Universität KU Leuven haben Mitte Dezember auf der Konferenz „Ecology Across Borders" in Gent, Belgien, eine schnelle, preiswerte und objektive Methode vorgestellt, mit der der Zustand von Stadtbäumen flächendeckend erfasst und bewertet werden kann. Die Wissenschaftler kombinierten Messungen von zwei an einem Flugzeug montierten Sensoren, um damit die Blattdichte und die Farbe der Blätter von Bäumen in der Stadt Brüssel zu erfassen. 

Zuerst verwendeten sie LiDAR-Messungen (Light Detection and Ranging), um einzelne Bäume zu erfassen und voneinander abzugrenzen. LiDARDaten bestehen aus sehr genauen Abstandsmessungen zwischen dem Flugzeug und Objekten auf dem Boden, wodurch eine detailgetreue 3DDarstellung der Stadt erstellt wird. Danach konnten sie mit Hyperspektraldaten die Dichte und den Zustand der Blätter für jeden einzelnen Baum bestimmen.

„Hyperspektral“ bedeutet, dass das Muster der Wellenlängen des von einem Objekt reflektierten Lichts mit großer Genauigkeit gemessen wird. Objekte reflektieren unterschiedliche Bereiche des Lichtspektrums, abhängig von ihren Eigenschaften wie Farbe, chemischer Zusammensetzung und Struktur. Kranke oder z.B. durch Wassermangel gestresste Bäume sind nicht mehr so grün wie gesunde Bäume. Außerdem haben sie oft weniger Blätter, wodurch dann mehr von der Bodenoberfläche unter der Baumkrone zu sehen ist. Diese Veränderungen werden mit den LiDAR- und den Hyperspektraldaten erfasst, womit eine Unterscheidung von gesunden und kranken Bäumen möglich wird.

Vier Baumarten untersucht

Die vorliegende Untersuchung konzentriert sich auf die vier häufigsten Baumarten in städtischen Grünanlagen und entlang von öffentlichen Straßen in Brüssel und anderen flämischen Städten:

  • Ahorn (Acer spp.),
  • Rosskastanie (Aesculus hippocastanum),
  • Platane (Platanus spp.) und
  • Linde (Tilia spp.).

Die Ergebnisse der Flugzeugdaten wurden bei ca. 25 Bäumen jeder Art mit herkömmlichen Baumuntersuchungen überprüft. „Diese luftgestützte Kartierung der Baumgesundheit ist ein großer Fortschritt gegenüber den herkömmlichen arbeitsaufwändigen Baumuntersuchungen vor Ort und bietet daher den städtischen Beauftragten für Grünanlagen große Vorteile“, sagt Jeroen Degerickx, der Erstautor dieser Studie. „Fernerkundung ist auf jeden Fall ein äußerst vielversprechendes Werkzeug für die Erforschung der Gesundheit von Stadtbäumen. Im Vergleich zu Untersuchungen vor Ort sind die Ergebnisse der Fernerkundung objektiver, umfassender und decken innerhalb kurzer Zeit große, zusammenhängende Gebiete ab und sie können auch über längere Zeiträume hinweg leicht wiederholt werden“, fügt er hinzu.

„Angesichts der größeren Häufigkeit von Stressfaktoren in städtischen Umgebungen, und der großen Bedeutung von Bäumen für die Funktion und Stabilität von städtischen Ökosystemen und für die Lebensqualität der Stadtbewohner würde ich sagen dass die Gesundheit von Stadtbäumen ganz allgemein ein wichtiger Faktor ist der in jeder Stadt und in jedem Land dieser Erde berücksichtigt wird oder werden sollte“ meint Degerickx.

Pläne zum Einsatz der neuen Methode

Es gebe bereits Pläne die neue Methode in naher Zukunft in öffentliche Umwelterfassungsprogramme zu integrieren. „Wir stehen bereits mit dem Brüsseler Gartenbauamt und der Dachorganisation für öffentliche Grünanlagen in Flandern (VVOG) in Verbindung. Beide haben ihr Interesse an unseren Untersuchungen bekundet, womit klar wird dass die Gesundheit von Stadtbäumen tatsächlich eine wichtige Angelegenheit ist“, berichtet Degerickx. Diese Studie ist Teil des internationalen Forschungsprogramms UrbanEars das das Potential von Fernerkundungsdaten für die Modellierung von Wasser- und Wärmedynamiken in Städten untersucht. Ein wichtiger Teil des Projekts ist die Kartierung und Charakterisierung von Grünanlagen, da diese bekanntermaßen einen großen Einfluss auf diese beiden Dynamiken haben. (idw)

Diesen Beitrag
  • weiterleiten
  • drucken

Write new comment

Comments (0)

No comments found!

Partner:

 Website: plehn media
© 2018 Haymarket Media GmbH - Alle Rechte vorbehalten -