Großer Zulauf: Deutsche Baumpflegetage 2022

Nach zwei Jahren Zwangspause hatten die Deutschen Baumpflegetage 2022 wieder einen großen Zulauf. Vom 10. bis 12. Mai trafen sich in Augsburg rund 2.000 Fachleute aus der Baumpflegebranche.

Im Fokus der dreitägigen Fachtagung standen der Alleen- und Artenschutz sowie Bäume an Straßen und urbanen Standorten. Dabei ging es vor allem darum, neueste Erkenntnisse auszutauschen und Lösungsmöglichkeiten im Umgang mit den klimabedingten Herausforderungen zu diskutieren. Doch auch andere brisante Themen kamen im Kletterforum und im Großen Saal der Messe Augsburg zur Sprache, zum Beispiel, ob gängige Schönheitsideale eine Rolle in der Baumpflege spielen.

Themenschwerpunkt zu Alleen

„Alleen sind ein essenzieller Bestandteil unserer Kulturlandschaft und waren deshalb ein wichtiger Themenschwerpunkt in diesem Jahr“, sagte Thomas Amtage, gemeinsam mit Professor Dr. Dirk Dujesiefken Geschäftsführer des größten europäischen Baumpflege-Events. Dies äußerte sich auch in der Wahl der diesjährigen Fachpartner: die Parlamentsgruppe Kulturgut Alleen und die Alleenschutzgemeinschaft (ASG).

Cornelia Behm, Vorsitzende der ASG und Mitglied in der Parlamentsgruppe, fokussierte in ihrem Vortrag den seit Jahrzehnten schwelenden Konflikt zwischen dem Schutz von Alleenlandschaften und der Verkehrssicherheit. Im Bemühen, das Dilemma aufzulösen, stehen die ASG und die Parlamentsgruppe Kulturgut Alleen in ständigem Austausch mit zuständigen Politikern, Behörden und Verbänden. „Es wird besser, aber es gibt noch viel zu tun! Deshalb haben wir bei den Deutschen Baumpflegetagen die Chance genutzt, Politik und Gesellschaft einmal mehr aufzufordern, den Alleenschwund zu stoppen und sich für ihren Schutz einzusetzen“, so Behm.

Wie viel Schönheit braucht der Baum?

Dieser provokanten Frage ging der Eröffnungsvortrag von Dirk Dujesiefken und dem Schweizer Mark Bridge im Kletterforum auf den Grund. „Das Schönheitsideal in unserer Gesellschaft ist stark geprägt vom Streben nach Symmetrie, Jugendlichkeit und Makellosigkeit. Entsprechend werden zahlreiche Bäume geschnitten. Andererseits finden viele die alten, knorrigen Baumgestalten mit ihren Höhlen, Rissen und Altersspuren besonders schön“, sagte Dirk Dujesiefken. Daraus ergebe sich die Frage: „Was ist das Produkt, das wir als Baumpfleger abliefern möchten? Wollen wir an Altbäumen alles ´Unperfekte` abschneiden und uns von gesellschaftlichen Stereotypen leiten lassen, oder können wir auch Schäden und Defekte akzeptieren?“

Mark Bridge hatte dazu eine klare Meinung: „Das Argument, es sei der Wunsch des Kunden, einen Baum aus optischen Gründen komplett zu bereinigen, lasse ich nicht pauschal gelten. Wir dürfen und sollten mutig sein und im Sinne der Bäume mit diesen Konventionen brechen. Bäume brauchen kein Facelifting!“ Auch die ZTV Baumpflege, erläuterte Dirk Dujesiefken, habe sich angepasst, indem das Regelwerk Ausschreibungen ermögliche, bei denen Totholz in Bäumen belassen oder eingekürzt werden könne, wenn dieses die Verkehrssicherheit nicht gefährde.

Umgang mit abgestorbenen Bäumen

Nicht minder aktuell ist ein weiteres Thema, das die Sachverständigen Thomas Amtage und Andreas Detter gemeinsam mit Carsten Beinhoff von der Berufsgenossenschaft SVLFG behandelten: Die Fällung akut abgestorbener Bäume. Das Entfernen dieser Bäume, so Beinhoff, stelle erhebliche Anforderungen an die Arbeitssicherheit dar, denn die Arbeit an gänzlich abgestorbenen Bäumen sei mit einer erhöhten Unfallgefahr verbunden. Allein 2021 habe sich die Zahl der durch Schad- und Totholz verursachten Unfälle im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt.

Mehr Raum für die Baumpflege-Messe

Traditionell begleitete die Baumpflege-Messe auch in diesem Jahr die Deutschen Baumpflegetage. 145 Aussteller zeigten in der Messehalle und im Außengelände ihre Innovationen für die Branche. „Die Nachfrage ist gegenüber 2019 noch einmal gestiegen, sodass wir den Ausstellungsfläche erneut vergrößert haben“, berichtete Irina Kaths-Knigge von der Geschäftsstelle der Deutschen Baumpflegetage.

Deutsche Baumpflegetage digital

„Kamera läuft“, dieses Signal hörte man in diesem Jahr häufig im Kletterforum der Deutschen Baumpflegetage. Da die hier gehaltenen Vorträge nicht im Jahrbuch der Baumpflege nachzulesen sind, wurden einige von ihnen in diesem Jahr professionell gefilmt. Diese themenbezogenen Filme soll es bald zum Download gegen Gebühr auf der Internetseite der Deutschen Baumpflegetage geben. Hier kann man auch das aktuelle Jahrbuch der Baumpflege bestellen, das die Vorträge der diesjährigen Fachtagung im Großen Saal beinhaltet.

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