Hohe Nachfrage nach Zukunftsbäumen

Der Klimawandel macht es notwendig: Es werden nicht nur viel mehr Bäume gepflanzt, sondern auch andere Arten als früher. Mehr Ginkgos, Eisenholzbäume und Zerr-Eichen (Quercus cerris) werden Schatten und Kühlung spenden.

Die Nachfrage nach „Zukunftsbäumen" wie der Zerr-Eiche (Quercus cerris) ist groß. (Foto: BdB/GALK/Jens Dietrich)

Vor allem 'Zukunftsbäume', sprich gegen Hitze und Trockenheit besonders tolerante Bäume sind gefragt. Doch diese Bäume brauchen wie alle Pflanzen Zeit, müssen in Baumschulen kosten- und arbeitsintensiv gezüchtet werden. Darin sieht Christoph Dirksen eine grüne Herkules-Aufgabe für die nächsten Jahre: „Die Nachfrage nach 'Zukunftsbäumen' ist riesig, seit drei Jahren macht sich der 'Greta-Effekt' sehr bemerkbar“, so der Experte von der Baumschule Ley in Meckenheim (NRW). „Alle Landschaftsarchitekten, Planer und Grünflächenämter der Städte stürzen sich jetzt auf diese 'Zukunftsbäume', aber den Einen gibt es nicht!“

Zukunftsbaumliste gibt Orientierung für Anwender

Deshalb gab die Deutsche Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) gemeinsam mit dem Bund deutscher Baumschulen (BdB) bereits 2021 mit der Broschüre „Zukunftsbäume für die Stadt“ eine Empfehlungsliste mit 65 zukunftsfähigen Arten heraus. „Damit es keinen Run auf nur fünf oder zehn Bäume gibt“, so Dirksen, doch genau dies ist momentan der Fall: „Aktuell wollen alle Verantwortlichen unbedingt Feldahorn (Acer campestre), Linde (Tilia tomentosa) oder Amberbaum (Liquidambar)“. Der Schlüssel für die Zukunft sei aber Diversität, ein guter Mix der 'neuen' Bäume mit seit Jahren bewährten alten Baumsorten. „Denn auch das etablierte Sortiment ist sehr groß, über 500 Sorten“, erinnert er. So seien Klassiker wie Platane (Platanus hispanica), Linde (Tilia pallida) und Spitzahorn (Acer platanoides) weiterhin wichtig und auch verfügbar. Doch noch nie seien Bäume insgesamt so knapp gewesen wie jetzt, bilanziert Dirksen, „und das wird noch zehn Jahre mindestens dauern“.

Baumproduktion braucht Zeit

Der Begriff „Warteliste“ sei etwas ganz Neues in der Geschichte der Baumschulen, werde aber die nächsten Jahre prägen, „viele aktuelle Bestellungen können erst nächstes oder übernächstes Jahr geliefert werden“. Die Produktion eines „Zukunftsbaumes" dauert, so Dirksen, mindestens zehn Jahre. „Bei bestimmten Arten können es sogar bis zu 20 Jahre sein, bis aus einem Sämling ein Alleebaum gewachsen ist“.

Baumarten, die besonders lange brauchen, seien der Französische Ahorn (Acer monspessulanum), Kornelkirsche (Cornus mas) oder der aktuell auch sehr gefragte Eisenholzbaum (Parrotia persica). Ebenso der auch wegen seiner goldgelben Herbstfärbung begehrte Ginkgo, hier vor allem die kleinwüchsigere säulenförmige Sorte 'Fastigiata Blagon'.

Obendrein seien bei den 'Zukunftsbäumen' Produktionsablauf und Zeitaufwand teilweise erheblich höher, komplizierter und fachlich anspruchsvoller. „Ein Französischer Ahorn will nun mal nicht gerade und gleichmäßig wachsen“. Dieser Mehraufwand treffe zudem auf erheblichen Fachkräftemangel und eine Anzahl von Baumschulen, die sich in den letzten 20 Jahren halbiert habe auf rund 1 700.

Baumschulen bleiben Partner für Zukunftsbäume

„Aber ohne Baumschulen wäre eine Begrünung quasi nicht möglich“, sieht Dirksen die große Aufgabe dieser Branche für die Zukunft – und vor allem für die Verbesserung der vom Klimawandel gestressten Innenstädte. Und apropos Run auf neuartige 'Zukunftsbäume': „Die waren auch schon vor Jahren in den Baumschulen bekannt, wurden aber nicht gefragt“. So bleibe die Weitsicht der Züchtung und Pflanzung richtiger Baumsorten, die in zehn und zwanzig Jahren benötigt würden, weiter ein „gewisses Lotteriespiel“. (BdB)

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