Webseite für Baumpflege, Baumfreunde und Arboristik
06. 10. 2016

Institut für Baumpflege Hamburg: Wechsel in der Führung

Wo steht das Institut für Baumpflege, und was bringt die Zukunft? Prof. Dr. Dirk Dujesiefken (rechts) und Dr. Horst Stobbe im Gespräch mit Antje Kottich

25 Jahre leitete Prof. Dujesiefken das von ihm im Jahr 1990 gegründete Institut für Baumpflege (IfB) in Hamburg. Das Institut prägt die nationale und internationale Baumpflege in vielerlei Hinsicht. Nun löst ihn Dr. Horst Stobbe als Geschäftsführer ab.

Herr Professor Dujesiefken, was hat Sie bewogen, nach 25 Jahren die Leitung des Instituts abzugeben?

Dujesiefken: Das Institut für Baumpflege spielt seit mehr als 25 Jahren in den Bereichen Forschung, Fortbildung und Gutachten eine prägende Rolle in der Branche. Mein Wunsch und Ziel ist es, dass dies auch in den kommenden Jahrzehnten der Fall sein wird. Aus diesem Grund habe ich im vergangenen Jahr die Umstrukturierung der Geschäftsführung eingeleitet und das Staffelholz an Dr. Stobbe übergeben. Er arbeitet seit rund 20 Jahren im IfB, war hier einer meiner engsten und vertrautesten Mitarbeiter und hat sich sowohl in der Wissenschaft als auch in der Praxis einen Namen gemacht. Ich gebe das Institut also in sehr gute Hände.

Bedeutet dies, dass Sie nun in den Ruhestand gehen?

Dujesiefken: Nein. Ich werde auch in den kommenden Jahren im Institut für Baumpflege tätig sein, und zwar als stellvertretender Geschäftsführer, als ö.b.v. Sachverständiger und als Referent im In- und Ausland. Darüber hinaus werde ich all die Projekte weiterführen, in denen ich mich seit vielen Jahren zusätzlich zu meiner Arbeit im Institut engagiere. Hierzu zählen unter anderem meine Lehrtätigkeiten an Hochschulen, die Arbeit für die FLL und natürlich die Organisation der Deutschen Baumpflegetage in Augsburg.

Was sind denn Ihre aktuellen Projekte?

Dujesiefken: Zum Beispiel schreibe ich gerade mit mehreren Kollegen an einem neuen Lehrbuch zur Baumpflege, das bald erscheinen wird. Im November werde ich erstmals nach Hongkong reisen, um dort Workshops durchzuführen und Vorträge zu halten. Das wird sicher sehr spannend!

25 Jahre IfB – das ist eine lange Zeit, wenn man bedenkt, dass es bis zum Erscheinen der ersten ZTV-Baumpflege 1981 noch gar keine geregelte Baumpflege gab. Wo sehen Sie die größten Verdienste des Instituts?

Stobbe: Im Rahmen seiner wissenschaftlichen Tätigkeit hat das IfB vieles entwickelt und erforscht, zum Beispiel die Hamburger Schnittmethode, die seit dem Jahr 1992 in der ZTV-Baumpflege verankert ist. Oder auch die Entwicklung einer fachgerechten Behandlung von Anfahrschäden mit Folie. Hinzu kommen unsere Untersuchungen zur Wundbehandlung, zur Sanierungszeit, zu Baumkrankheiten und Sonnennekrosen sowie zum Stammschutz.

Dujesiefken: Und das Institut gibt diese Erkenntnisse auch weiter. Seit 25 Jahren schulen wir all die Menschen, die im engeren oder weitesten Sinne mit Bäumen zu tun haben. Das Wissen, das am IfB gelehrt wird, ist überwiegend Ergebnis unserer eigenen Forschung. Man bekommt im Institut also hauptsächlich Informationen aus 1. Hand. Neben der Fortbildung veröffentlichen wir unsere Forschungsergebnisse regelmäßig. Dadurch sind auch zahlreiche Praxisbücher zur Baumkontrolle und zur Baumpflege entstanden. Und wir sollten auch erwähnen, dass das IfB die Prüfung zum FLL-zertifizierten Baumkontrolleur mit entwickelt hat.

Herr Dr. Stobbe, bezieht sich die Umstrukturierung des Instituts für Baumpflege ausschließlich auf den personellen Wechsel in der Geschäftsführung, oder werden Sie gänzlich neue Wege einschlagen?

Stobbe: Ich setze auf Kontinuität mit dem bewährten Team. Das Institut ist mit den drei Arbeitsgebieten Gutachten, Fortbildung und Forschung sehr gut aufgestellt. Kontinuität soll hier aber nicht gleichbedeutend mit Stillstand verstanden werden. Die Baumpflege war und ist sehr dynamisch, und auch wir befinden uns ständig im Fluss und entwickeln unsere Arbeitsbereiche weiter. So werden wir uns auch künftig in Forschung und Lehre intensiv neuen Fragen und den Herausforderungen stellen.

Wo sehen Sie denn Ihre Schwerpunkte für die kommenden Jahre?

Stobbe: Im Bereich der Gutachten werden wir weiterhin Baumuntersuchungen zur Verkehrssicherheit durchführen. Ein weiterer Schwerpunkt ist auch die Gehölzwertermittlung nach der Methode KOCH. In Zukunft sehe ich das Institut für Baumpflege noch stärker im Bereich „Baumschutz auf Baustellen“. Sowohl Bauherren als auch Kommunen kommen verstärkt auf uns zu, um Lösungsansätze für einen fachgerechten Baumschutz bei Hoch- und Tiefbauarbeiten zu realisieren. Hier kommen uns unsere langjährigen Erfahrungen auf diesem Gebiet zugute. Wir werden heute viel häufiger als früher bereits in der Planungsphase mit einbezogen.

Aufklärung spielt hier zweifellos eine große Rolle. Was wird sich denn im Bereich Fortbildung beim Institut für Baumpflege in nächster Zeit tun?

Stobbe: Auch künftig werden wir verschiedene Seminare zur Baumkontrolle und die Prüfung zum FLL-zertifizierten Baumkontrolleur durchführen. Da wir inzwischen bereits weit über 1.000 Baumkontrolleure zertifiziert haben, werden wir verstärkt für diese Gruppe aufbauende Profi-Seminare anbieten. Das nächste Profi-Seminar ist für Anfang 2017 geplant. Zudem arbeiten wir an einem neuen Baumpflegeseminar, das die Neuerungen der im kommenden Jahr erscheinenden ZTV-Baumpflege berücksichtigt.

Werden diese Seminare nur im Norden stattfinden?

Dujesiefken: Nein! Wir bekommen Anfragen aus dem gesamten Bundesgebiet und auch aus europäischen Nachbarländern.

Stobbe: Besonders gefragt sind in diesem Zusammenhang unsere Vor-Ort-Seminare, also Fortbildungen, in denen wir für einzelne Firmen, Verbände und Kommunen individuelle Praxisseminare konzipieren, die speziell auf ihren Bedarf zugeschnitten sind. Diese Seminare sind besonders effektiv und machen sehr viel Spaß, da man mit kleinen Gruppen konzentriert arbeiten und genau dort ansetzen kann, wo es nötig ist. Wir werden also auch zukünftig viel vom Institut für Baumpflege hören.

Herr Dr. Stobbe, was liegt Ihnen besonders am Herzen, wo möchten Sie Akzente setzen?

Stobbe: Ich will mich stärker mit den digitalen Medien befassen, denn natürlich möchten wir auch hier mit der Zeit gehen. Ein Schritt in diese Richtung ist, dass wir unser gedrucktes Mitteilungsheft durch einen digitalen Rundbrief ersetzen. Da wir nicht nur mit Bäumen arbeiten, sondern auch sehr viel mit Menschen, ist mir die zwischenmenschliche Interaktion sehr wichtig. Deshalb sind mir auch die Vor-Ort-Seminare ein so großes Anliegen. Ich möchte weiterhin – auch in der Forschung - das große Ganze im Blick haben und zugleich sehr stark den intensiven persönlichen Kontakt mit unseren Kunden pflegen.

Das Interview führte Antje Kottich.

Diesen Beitrag
  • weiterleiten
  • drucken

Write new comment

Comments (0)

No comments found!

Partner:

 Website: plehn media
© 2017 Haymarket Media GmbH - Alle Rechte vorbehalten -