Invasive Käfer sicher bestimmen

Einen Bestimmungsschlüssel für invasive Käferarten wollen Forscher der Universität Hohenheim und des Landwirtschaftlichen Technologiezentrums (LTZ) Augustenberg erstellen und bitten um Mithilfe.

Der Asiatische Laubholzbockkäfer (ALB), Foto: Olaf Zimmermann/LTZ Augustenberg

Invasive Käferarten können in Deutschland massive Schäden verursachen. So meldete beispielsweise die Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau (LLG) Anfang Februar, dass der Asiatische Laubholzbockkäfer (ALB) das Land Sachsen-Anhalt allein im Jahr 2017 rund 1,13 Millionen Euro gekostet habe. Die hohen Kosten seien durch die notwendigen Maßnahmen zur Überwachung und Bekämpfung des Quarantäneschädlings entstanden.

Problem: Bestimmungshilfen fehlen

Ein Problem für die Pflanzenschutzdienste: Es gibt noch keine geeigneten Bestimmungshilfen. Zudem sei über die Tiere oft nur sehr wenig bekannt. Die Forscher arbeiten nun daran, für über 100 der invasiven Käferarten Daten und Informationen aus aller Welt zusammenzutragen, um eine frei zugängliche Datenbank aufzubauen. Sie rufen deswegen dazu auf, Funde des ALB und anderer aus Importsendungen stammenden Käfer an sie zu melden (PHID-Coleo@ltz.bwl.de oder telefonisch unter 0721–9468-0) und ihnen die Tiere möglichst unbeschädigt zuzusenden. Das Ziel der Forscher: Einerseits ein Bestimmungsschlüssel, der auf den äußeren Merkmalen der Tiere basiert, und andererseits eine Methode, bei der die Identifizierung über genetische Marker erfolgt.

Genetische Unterschiede geben Aufschluss über die Herkunft

Der Verdacht der Forscher: Über Verpackungsholz gelangen die Schädlinge nach Europa. „Doch ob hier bereits eine Population etabliert ist, die sich selbstständig ausbreitet, oder ob die verschiedenen Fundstellen unabhängig voneinander eingeschleppt wurden, das wissen wir nicht“, bedauert Iris Häußermann, Doktorandin an der Universität Hohenheim. Um diese Fragen zu klären kommt den Forschern zugute, dass das Erbgut des Laubholzbockkäfers bereits bekannt ist. Nun sammeln sie genetisches Material von allen Fundstellen in Deutschland und ergänzen es mit Proben aus Museen, von Hobby-Entomologen und aus der ostasiatischen Heimat der Tiere. „Wir vergleichen das Material und können so feststellen, woher genau die Käfer ursprünglich kommen. Und wir untersuchen, ob die Tiere von verschiedenen Fundstellen miteinander verwandt sind – was auf eine selbstständige Ausbreitung hindeuten würde“, erklärt Prof. Dr. Martin Hasselmann, Leiter des Fachgebiets Populationsgenomik bei Nutztieren an der Universität Hohenheim. Mit diesen Erkenntnissen wollen die Wissenschaftler dann gezieltere Gegen- und Präventivmaßnahmen beim Import ermöglichen. „Das spart Monitoringkosten und sichert den Bekämpfungserfolg.“

Hintergrund: Schwergewicht der Forschung

Das Verbundprojekt „Morphologisch-molekulare Identifikation von Käferarten an Verpackungsholz im Bereich der Pflanzengesundheit (PHID-Coleo)“ startete am 15.6.2017 und hat eine Laufzeit bis 14.6.2020. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fördert es durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) als Projektträger mit 326.959 Euro für die Universität Hohenheim und 51.623 Euro für den Projektpartner, das Landwirtschaftliche Technologiezentrum Augustenberg (LTZ). (Uni Hohenheim)

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