Hallo, ich bin Tilia!

Tilia ist eine Winterlinde und Tilia kann sprechen. Der Baum steht auf der Landesgartenschau in Würzburg, alle zehn Minuten gibt die Linde Auskunft über ihr Befinden. Und es sei schon verraten: Tilia geht es nicht immer gut.

Großer Baum mit großen Problemen: Tilia, die Winterlinde, steht auf der Landesgartenschau 2018 Würzburg. (Foto: LWG)

Um den Gesundheitszustand aus erster Hand zu erfahren, wurde der Baum aufwendig an Stamm, Stammfuß und an verschiedenen Blättern verkabelt. (Foto: LWG)

Der Wochenrückblick Anfang Juni macht deutlich, dass bei Tilia nicht immer eine Wohlfühlatmosphäre aufkommt. (Foto: LWG)

Ein sprechender Baum – wo gibt’s denn so was? Natürlich an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG). Doch die Winterlinde (Tilia cordata), die von den Projektmitarbeitern des Institutes für Stadtgrün und Landschaftsbau auf den Namen Tilia getauft wurde, steht nicht auf dem Campus in Veitshöchheim, sondern auf der Landesgartenschau 2018 Würzburg. Alle zehn Minuten meldet sich Tilia live von der LGS und gibt Auskunft über ihr Befinden - und dabei ist schon jetzt nicht immer alles im „Grünen Bereich“. Mit dem Startschuss des kalendarischen Sommeranfanges am Donnerstag, 21. Juni, stehen uns die echten heißen Tage erst noch bevor und die anstehenden „Hundstage“ – als Folgen des Klimawandels – verlangen Mensch und Natur sicherlich auch 2018 viel ab.

 

Den Bäumen in der Stadt geht es nicht gut

„Unsere Stadtbäume müssten eigentlich gar nicht sprechen, um zu sagen, dass es ihnen nicht gut geht“, bringt es Jürgen Eppel, Leiter des Institutes für Stadtgrün und Landschaftsbau an der LWG auf den Punkt. Denn wie bei einem kranken Menschen zeigt auch die „Körpersprache der Bäume“, dass es unseren grünen Lebensspendern alles andere als berauschend geht. Im Zehn-Minuten-Rhythmus gibt Tilia ihre Vitalwerte preis, die als interaktive Grafik auf der LWG-Homepage abgerufen werden können. Um dem sprechfreudigen Baum seine Worte zu entlocken, wurde die Winterlinde in mehreren Arbeitsstunden aufwendig verkabelt. „Neben Temperatursensoren, die direkt an der Südseite, also der Sonnenseite des Stammes und direkt unter der Erde am Stammfuß angebracht wurden, sind auch einzelne Blätter mit filigranen Messfühlern ausgestattet“, erläutert Jürgen Eppel den komplexen Versuchsaufbau.

Tilia zeigt in Ampelfarben ihr Befinden an

Unterstützt werden die Experten aus Veitshöchheim dabei vom Zentrum Stadtnatur und Klimaanpassung (ZSK), die für die Datensammlung verantwortlich sind. Via Funk werden die erfassten Vitaldaten dann übertragen, elektronisch verarbeitet und schließlich in Form einer Grafik dargestellt. In den Ampelfarben Grün (unter 25 °C), Orange (zwischen 23-35 °C) und Rot (über 35 °C) ist dann auf den ersten Blick zu sehen, was gerade die Wohlfühlzone des Baumes ist, und welche Baumregion bereits am Limit – und darüber hinaus – angekommen ist.

Geht es Bäumen nicht gut, fallen die Blätter aus

Einen roten Kopf bekommen unsere Bäume bei einem Hitzeschlag nicht; vielmehr fallen ihnen die Blätter aus. „Steigt beispielsweise die Blatttemperatur auf über 45 °C, ist die Höchstbelastung überschritten“, so Eppel. Denn bei einer Überhitzung können die Blätter keine Fotosynthese mehr leisten, werden welk und fallen ab. Dadurch stellt der Baum nicht nur sein weiteres Wachstum ein, auch die Ökosystemleistungen – von denen Insekten wie Menschen profitieren – fallen weg. (lwg)
 
Meet and Greet mit Tilia: Stress oder Wohlfühlen? Wie es mir aktuell geht, verrate ich hier.

LWG trifft LGS:

Alle Ausstellungsbeiträge der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) auf der Landesgartenschau 2018 Würzburg und einen Überblick über die laufenden wie auch die geplanten Veranstaltungen finden Sie hier.

Die TASPO Baumzeitung ist das offizielle Mitteilungsorgan der ISA und berichtet über deren Aktivitäten.