Resolution zum Waldsterben 2.0

Der Wald in Deutschland ist bedroht. Hohe Temperaturen und Trockenheit schwächen die Bäume und ermöglichen die massive Ausbreitung von Insekten und Pilzen. 120.000 Hektar Wald sind bisher bereits verloren gegangen. Betroffen sind neben der Fichte auch Zukunftsarten wie Buche oder Tanne.

Es gibt eine Resolution der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und der Deutschen Waldjugend zum Waldsterben 2.0 (Foto: Pixabay)

Der Zusammenbruch der Wälder ist ein Signal, dass wir dem Klimawandel stärker entgegentreten müssen. Dies ist nur gesamtgesellschaftlich möglich. Schließlich handelt es sich bei der dramatischen Situation in unseren heimischen Wäldern nicht um ein Fehlverhalten einzelner, sondern um eine Fehlentwicklung unserer Gesellschaft. 

Die Bundesverbände der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) und der Deutschen Waldjugend (DWJ) fordern deshalb folgende Gegenmaßnahmen:

Jeder kann etwas für den Wald tun

Die Schädigung unserer Wälder ist vor allem eine Folge des Klimawandels. Klimaschutz geht daher mit Waldschutz einher. Daher können wir alle mit klimafreundlichem Verhalten zum Schutz der Wälder beitragen. Ein Konsumverhalten das auf entwaldungsfreie Produkte und nachhaltige Waldbewirtschaftung ausgerichtet ist kommt zusätzlich den Wäldern zugute. Verbände wie die SDW und DWJ bieten vielfältige Möglichkeiten, sich für den Wald einzusetzen. 

Deutschland braucht mehr Wald

Neue Wälder sind ein effektives Mittel, um der Atmosphäre COzu entziehen und als Kohlenstoff zu binden. Um dies für Deutschland zu erreichen, brauchen wir ein Programm zur Schaffung zusätzlicher Wälder.

Walderhalt durch Aufforstung

Damit unsere Wälder erhalten bleiben, bedarf es auf den großen geschädigten Flächen einer Aufforstung. Hier können zinsgünstige Darlehen der Landesbanken Finanzierungshilfen für die Waldbesitzenden darstellen. Des Weiteren muss die Bereitstellung von Forstpflanzen und Saatgut gesichert und unterstützt werden. Angesichts des sich ändernden Klimas müssen bei Bedarf auch nicht heimische Baumarten in Betracht gezogen werden.

Programme gegen verfallende Holzpreise
Die immensen Schadholzmengen lassen die Holzpreise sinken und erschöpfen die Lagerkapazitäten der Sägewerke. Ein „Schadholzprogramm“ könnte durch die gezielte Vermarktung und den Einsatz des Kalamitätsholzes die Preise stabilisieren und seine Aufarbeitung auch ökonomisch attraktiv machen. Gleichzeitig sollte ein pragmatisches  „Biotopholzprogramm“ attraktive Anreize liefern, um stehendes Totholz - sofern keine Gefahr für Natur und Mensch davon ausgeht - im Wald zu belassen und neue Biotope zu schaffen. 

Vereinfachung der Förderprogramme

Für die Beseitigung der Schäden und die Neubegründung klimastabiler Mischbestände ist die forstliche Förderung das Hauptinstrument. Doch die Verfahren sind kompliziert und langwierig und bedürfen einer Vereinfachung. Durch den Abbau von Hürden kann die benötigte Unterstützung schneller in die betroffenen Wälder gelangen. Darüber hinaus müssen Ökosystemdienstleistungen stärker berücksichtigt werden. Die Fördertöpfe[1] müssen langfristig gestärkt werden. 

Unser Wald braucht mehr Personal

Ohne mehr qualifiziertes Personal sind die notwendigen Aufgaben im Wald nicht umsetzbar. Um geschädigte Bäume zu identifizieren, zu fällen und aufzuarbeiten, wird kurzfristig mehr forstliches Personal benötigt. Zur schnelleren Entwicklung von Mischbeständen und die Betreuung unserer Wälder brauchen die Forstbetriebe und angrenzende Bereiche aber auch langfristig mehr Fachpersonal auf allen Ebenen. 

Waldpädagogik ist Waldschutz

Die komplexen Zusammenhänge und das Bewusstsein für den Wert der Wälder können durch Bildung vermittelt werden. Hierzu müssen zusätzliche Angebote und Kapazitäten einer Bildung für nachhaltige Entwicklung im Waldkontext aufgebaut und gefördert werden. Die waldbezogene Umweltbildung muss sich an alle Altersgruppen richten. Dabei darf das Naturerleben nicht vergessen werden, um die Basis für Umweltbewusstsein zu bilden.

Wald braucht Ehrenamt

Der aktuellen Herausforderung im Wald können wir nur gemeinsam entgegentreten. Neben dem fachlichen Personal benötigt der Wald ehrenamtliche Unterstützung. Gemeinsam können wir die Bedeutung des Waldes in die Bevölkerung tragen und uns für den Schutz unserer Wälder engagieren. Ohne die Beteiligung der Jugend ist dies jedoch nicht möglich. Sie sind die WaldschützerInnen, KonsumentInnen und EntscheidungsträgerInnen von Waldprodukten von morgen. Das Ehrenamt und die Jugendarbeit müssen langfristig unterstützt werden, um die gesamte Bevölkerung für den Waldschutz zu sensibilisieren.

Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens

Die Klimakrise und das derzeitige Waldsterben erfordern das sofortige ambitionierte Handeln der PolitikerInnen. Vor allem die Bundes- und Landesregierungen stehen nun in der Pflicht im Klimakabinett, Maßnahmen zu initiieren, die die Reduktion der Treibhausgasemissionen bis 2030 um 55 Prozent[2] sicherstellen. Nur damit können die Klimaziele des Pariser Klimaschutzabkommens eingehalten werden.

Waldschutz über Deutschland hinaus

Die großen Waldgebiete der tropischen und borealen Zone speichern große Mengen Kohlenstoff. Sie haben das Potenzial, das Weltklima weitgehend zu stabilisieren; können aber gerade aus diesem Grund bei weiterer großflächiger Übernutzung und Zerstörung schwerwiegende Folgen für die Erderwärmung haben. Neben nationalen Bemühungen sind daher internationale Maßnahmen zum Schutz dieser Wälder zu fördern und umzusetzen. Hierfür muss die Waldzerstörung gestoppt, Zertifizierungssystem etabliert und entwaldungsfreie Lieferketten umgesetzt werden. (SDW)

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