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21. 11. 2017

Stadtgrün tut älteren Menschen gut – wenn die Gestaltung stimmt

Die Befragung hat gezeigt, dass Grün für die Lebensqualität von Seniorinnen und Senioren von zentraler Bedeutung ist. (Foto: Heike Hensel/IÖR-Media)

Parks, Stadtwald, Gärten – Grün ist wichtig für die Lebensqualität von Älteren, die in Heimen leben. Doch Grünflächen müssen altersgerecht gestaltet sein, damit Seniorinnen und Senioren sie nutzen können. Dies sind zentrale Ergebnisse einer aktuellen Studie. Unter Leitung von Dr. Martina Artmann vom Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) ging ein europäisches Forschungsteam erstmals der Frage nach, welche Rolle städtische Grünflächen für Seniorenheime spielen. Ihre Ergebnisse hat die Gruppe in der Fachzeitschrift „Urban Forestry and Urban Greening“ veröffentlicht.

Dass Stadtgrün wichtig ist für die Lebensqualität in Städten, ist längst eine anerkannte Tatsache. Weniger gut erforscht ist die Frage, welche Rolle Grünflächen für einzelne Bevölkerungsgruppen spielen. Unklar ist auch, wie grüne mit sozialer Infrastruktur verknüpft ist, welche Grünflächen also zum Beispiel im Umfeld von Seniorenheimen zu finden sein sollten. Diese Forschungslücken hat ein europäisches Forschungsteam um Dr. Martina Artmann, Postdoktorandin am IÖR in Dresden, nun teilweise geschlossen. Die Gruppe ging der Frage nach, wie wichtig Grün für die Lebensqualität Älterer ist, die in Heimen leben, und wie Grünflächen gestaltet sein müssen, damit ältere Menschen sie nutzen können.

Umfrage in 126 Seniorenheimen in sechs europäischen Ländern

Für ihre Studie befragten die Forschenden die Verwaltungen von Seniorenheimen in sechs europäischen Ländern. Die Untersuchungen konzentrierten sich dabei auf Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern hoher und geringer Bevölkerungsdichte. Zwischen Mai und Oktober 2016 nahmen 126 Einrichtungen aus 17 Städten in Deutschland, Norwegen, Österreich, Polen, Rumänien und Slowenien an der Befragung teil. Der größte Teil von ihnen (92 Prozent) verfügt über einen eigenen Garten, der von den Bewohnern auch genutzt werden kann.

Stadtgrün ist von zentraler Bedeutung

Die Befragung hat gezeigt, dass Grün für die Lebensqualität von Seniorinnen und Senioren von zentraler Bedeutung ist. Die befragten Einrichtungen gaben an, dass der Besuch von Gärten, Parks und Stadtwald vor allem für körperliche Aktivitäten wie Spaziergänge, das Gärtnern oder Pflücken von Pflanzen sowie für den sozialen Austausch eine große Rolle spielt. Auch für die passive Erholung, etwa durch die Beobachtung der Natur, sind Grünflächen für ältere Menschen wichtig.

Wie häufig und intensiv Ältere Gärten oder städtische Grünanlagen nutzen, hängt maßgeblich von ihrem Gesundheitszustand ab. Heimbewohner, die körperlich und geistig fit sind, halten sich nahezu täglich im Garten ihrer Einrichtung auf. Mehrmals im Monat besuchen sie mit, aber auch ohne Begleitung durch Besuch oder das Pflegepersonal öffentliche Grünanlagen. Vor allem für Bewohner von Einrichtungen ohne Garten dient der Besuch im Park oft als Auszeit vom Leben im Seniorenheim.

Wichtig: altersgerechte Ausstattung der Parks

Deutlich wurde bei den Befragungen auch: Sollen ältere Menschen Gärten und Grünflächen nutzen, müssen diese ihren Bedürfnissen entsprechend gestaltet sein. Viele der Seniorenheime mit Garten (87 Prozent) haben dies bereits erkannt. Sie gestalten ihre Anlagen barrierefrei, damit sie auch mit Gehhilfen gut nutzbar sind. Ebenso finden sich rutschfeste Beläge auf Fußwegen, Sichtschutz für mehr Privatsphäre und Zäune, die vor allem Menschen mit Demenzerkrankungen vor naheliegenden Straßen schützen. Zu oft fehlen in den Gärten von Seniorenheimen aus Sicht der Wissenschaft noch stationäre Trainingsgeräte oder Ballsportanlagen.

 

Häufig möchten Ältere in den Gärten die Natur beobachten. Hier empfehlen die Wissenschaftler, Anlagen naturnaher als bisher zu gestalten – mit Wildblumenwiese statt Zierrasen zum Beispiel. An öffentliche Grünflächen stellen sich ähnliche Anforderungen: Auch sie müssen für ältere Menschen gut erreichbar und nutzbar sein. „Bei städtischen Grünflächen kommen weitere Anforderungen hinzu: Ausreichend öffentliche Toiletten sind erforderlich; Bänke sollten in kurzen Abständen aufgestellt sein, damit sich Seniorinnen und Senioren häufiger ausruhen können“, erklärt Martina Artmann. Ihre Studie bietet einen umfassenden Überblick über die Rolle von Gärten und Stadtgrün für Ältere, die in Seniorenheimen in Europa leben. Deutlich wird aber auch, dass es weiterhin großen Forschungsbedarf zu diesem Thema gibt. (idw)

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