Wurzelschäden zum Anfassen

Das gemeinsame Praxisseminar eines Baumschulers und eines Baumpflegers aus Schleswig-Holstein zog 60 Teilnehmer aus ganz Deutschland an. Das Thema: Wie pflanze und pflege ich Bäume?

60 Seminarteilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet kamen für das Seminar in die schleswig-holsteinische Baumschule Sander. (Foto: Sander)

Die Ausstellung zeigt klassische Kunstfehler in der Baumpflege. (Foto: Baumpflege Thomsen)

Jens Sander, Inhaber der Baumschule E. Sander in Tornesch, und Uwe Thomsen, Baumpfleger mit eigenem Betrieb in Pinneberg, sehen sich seit Jahren in der Pflicht, ihr Wissen an den Fachmann zu bringen. Oder eben gerade nicht an den Fachmann, denn: „Eines unserer Hauptprobleme ist doch, dass die Leute, die heute in der Praxis mit der Pflanzung und Pflege von Bäumen betraut sind, oftmals nicht über das nötige Fachwissen verfügen. Viele Bäume nehmen bereits beim Transport und Abladevorgang so großen Schaden, dass ihr Schicksal besiegelt ist, bevor sie überhaupt eingepflanzt werden. Oder die Gehölze werden nicht richtig gepflanzt oder falsch gepflegt, so dass sie später keine Überlebenschance haben“, bringt es Sander auf den Punkt.

Dem Baumschuler ist diese Entwicklung schon lange ein Dorn im Auge. „Ich ziehe meine Bäume groß und weiß genau, was sie brauchen. Und ich versuche, diese Informationen weiterzugeben, damit unsere Bäume ein langes, gesundes Leben vor sich haben“, sagt er. Uwe Thomsen sieht das genauso. Während Sander in seiner Baumschule einmal pro Jahr ein Seminar gibt, sammelt Thomsen Exponate klassischer Kunstfehler, die er konserviert und auf Schulungsveranstaltungen wie den Deutschen Baumpflegetagen in Augsburg zeigt.

Gemeinsame Sache im Sinne der Bäume

Als sich Sander und Thomsen im August 2017 als Aussteller auf der Messe NordBau in Neumünster treffen, beschließen sie spontan, gemeinsame Sache zugunsten der Bäume zu machen. Am 24. Februar 2018 fand in Sanders Baumschule in Tornesch das erste gemeinsame Praxisseminar für all diejenigen statt, die mit Bäumen arbeiten. „Die Resonanz war sehr gut“, berichtet Thomsen. „Es haben sich 60 Teilnehmer angemeldet, die aus der näheren Umgebung, aber auch aus Berlin, Cottbus, Hannover und Mecklenburg-Vorpommern angereist sind. Es waren Planer, Landschaftsgärtner und Mitarbeiter von Bauhöfen, Straßenbau- und Grünflächenämtern.“

Im theoretischen Teil des von Sander und Thomsen konzipierten Seminars standen Baumpfleger und Baumschuler aus den eigenen Betrieben Rede und Antwort und informierten über häufige Ursachen für die Schädigung von Baumwurzeln und effektive Möglichkeiten zur Vorbeugung. Plastisch abgerundet wurden die Inhalte durch Thomsens Exponate. So zeigen einige, wie zu tief gepflanzte oder nachträglich mit Erde überfüllte Bäume am Stamm und an den Haltewurzeln zu faulen beginnen, um schließlich an Sauerstoffmangel und an der Fäulnis zugrunde zu gehen. Nach der Theorie kam die Praxis: Auf dem Gelände der Baumschule trainierten die Seminarteilnehmer unter anderem den schonenden Transport und den Abladevorgang von Bäumen und einen fachgerechten Kronen- und Wurzelschnitt.

Weiteres Seminar und Leitfaden in Planung

Am Ende ihrer ersten gemeinsamen Praxisfortbildung waren Thomsen und Sander zufrieden. Sie möchten auch im nächsten Jahr wieder ein solches Seminar anbieten. Jens Sander erarbeitet außerdem gemeinsam mit Partnern einen 24-seitigen Leitfaden, der künftig gratis mit seinen Bäumen mitgeliefert werden soll. Er enthält viele Zeichnungen, Fotos und Tipps, wie man Bäume langfristig gesund erhalten kann. (bmz)

Partner